Gesamtschule. Koalition und Bürgermeister stehlen sich davon

Die Situation ist verfahren und die Koalition agiert nach dem Motto: „Kopf in den Sand.“ Die nun formulierte Forderung an den Schulleiter, doch bitte die 4 SchülerInnen aus Königswinter noch aufzunehmen, stellt vielmehr eine unlautere (wenn nicht gar rechtlich zweifelhafte) Einmischung in die Entscheidungsfreiheit der Schule dar. Herr Mai hatte bereits den rechtlichen Rahmen ausgeschöpft. Eine willkürliche (da ohne Normgrundlage) spätere Aufnahme brächte ihn in eine zweifelhafte Lage. Zu erwarten ist zudem, dass alle Kinder im Widerspruchsverfahren ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Hilft der Beschluss in der Frage der Beschulung der Kinder aus Königswinter weiter?

 

Was ist passiert?

Nach dem Beschluss des Schulausschuss über das Festhalten an der 5-Zügigkeit haben sich in den letzten Wochen nicht nur Eltern und besorgte Bürger öffentlich geäußert. In direkten Gesprächen, Telefonaten, Briefen und Mails wurde jedem die Dimension bewusst. Eltern, die ihrer Tochter die Ablehnung bis heute verschweigen und im Widerspruchsverfahren hoffen. Schulpflegschaften, die den Standort Königswinter gefährdet sehen.

Vor dem Hintergrund der SEP Zahlen und der zu erwartenden Investitionen, sowie des Raumkonzeptes hielten auch bei uns einige die getroffene Grundsatzentscheidung für eine 5-Zügige Gesamtschule aus 2015 für richtig.

Heute müssen wir aber doch festhalten, dass ein Gutachten, wie vorliegend, eine nette Ansammlung von möglichen Entwicklungen darstellt und im Wesentlichen die formalen Kriterien der Bezirksregierung erfüllt.

Richtig ist aber auch: Schon damals sprach die Gutachterin von einer engen Abwägung, die auf der Grundlage der Zahlen durchaus auch eine 6 Zügigkeit begründet hätte.

Heute stellen wir fest: die Zahlen gehen weiterhin nach oben.

Anlass genug vor dem Hintergrund einer erneuten Nichtaufnahme von Kindern aus Könisgwinter im kommenden Schuljahr einen weiteren Zug einzurichten.

 

Antrag

Pressemitteilung

 

Inklusion massiv unter Druck

Mit Stimmen der Koalition aus CDU, FDP und Restgrünen kommt es, sollte sich Herr Mai an dem „Wunsch“ orientieren, zu einem Aufblähen der Klassenstärke von 27 auf mind. 28 SchülerInnen. Alle Fachleute und nicht zuletzt die verantwortlichen Lehrerinnen und Lehrer sind sich einig. Kleine Klassen fördern und ermöglichen erst eine verantwortliche Integration von Schülerinnen mit Förderbedarf. Hier die Klassenstärken zu erhöhen würde der Inklusion zu wider laufen. Dies auf dem Rücken der Kinder, Lehrer und Eltern.

Wenn eine Schule bereit ist, rechnerisch 2 Förderkinder pro Klasse aufzunehmen, dann kann sie im Einvernehmen mit dem Schulträger die allgemeine Klassenstärke von 29 auf 27 Kinder reduzieren. Dies wird auch in allen anderen Kommunen so praktiziert, d.h. jeder Schulträger im Rhein-Sieg-Kreis gewährt die Reduzierung. Darauf hat auch die Schulrätin Frau Kreitz-Henn den Schulträger Königswinter vor der Abstimmung im Schulausschuss hingewiesen, worauf ja dann im Schulausschuss die Koalition, die Variante mit Reduzierung der Klassenstärken durchgewunken hat.

Die Möglichkeit zur Begrenzung der Aufnahmen in Klasse 5 ist also alles andere als eine „noble Geste“ des Schulträgers. Sie ist eine pädagogische Notwendigkeit.

Der jetzt gefasste Beschluss ist eine massive Brüskierung der Inklusion, da die Herausforderung in den Klassen nicht abgefangen würde. Die sonderpädagogischen Ressourcen allein reichen hinten und vorne nicht aus.

 

„Königswinter first“ als Heilmittel?

Die Koalition drückte den Auftrag an den Schulausschuss durch eine Regelung für die kommenden Jahre zu erarbeiten, die eine vorrangige Beschulung von Königswinterer Kindern bevorzugen.

Die einfache Rechnung der Koalition: wir haben ja genügend Plätze für Königswinterer Kinder zieht nicht. Mit 135 Plätzen bietet die Schule gut 20% mehr Kindern Platz, als rechnerisch für die 110 Königswinterer Kinder benötigt ist halt Mathe, mehr aber leider auch nicht. Aufnahmekriterien und die Einhaltung der gesetzlichen Grundlagen sind aber der Rahmen, in dem sich unsere Schulleitung bewegt, bewegen muss.

Beschlüsse aus Hennef oder Bonn, die eine vorrangige Aufnahme gemeindeeigener Kinder regeln lehnen wir für Königswinter ab. Die Lage der Stadt mit Ein- und Auspendlern, ob nach Bonn, Bad Honnef, Hennef, etc.. Davon profitieren wir. Wer glaubt hier läge die Lösung, der springt zu kurz. Mit Auspendlern profitieren also auch wir, bzw. Eltern und Schüler von einem guten Schulumfeld.

 

Was bleibt am Ende des Tages?

Selbst wenn weitere 4 Kinder aus Könisgwinter einen Platz an der IGS erhalten. Kinder aus Flüchtlingsfamilien, Stimmen sprechen hier von 15 potentiellen Schülerinnen und Schülern, die unterjährig aufgenommen werden müssen, werden keinen Platz finden.  Da hilft es nicht auf eine aktuell ausgebliebene Anmeldungen zu verweisen. Nach den Landesregelungen können wir Planungszahlen berücksichtigen. Wir sollten dies schleunigst tun und damit unserer Verpflichtung auf Beschulung und seriöse Planung Rechnung tragen.

Kinder aus den Wohnheimen, die unterjährig aufgenommen werden müssen, fahren weiter nach Niederpleis oder Unkel.

Gerade für diese Schülergruppe, Jugendliche und Kinder mit einem besonderen Maß an Unterstützungsbedarf, bietet die IGS doch die besten Chancen. Es ist für ein Kind im vierten Schuljahr kaum psychisch zu verkraften, dass es neben der Hauptschulempfehlung, die schon schwierig ist, auch noch einen Schulweg bis Niederpleis oder Unkel antreten muss.

 

Zur sachlichen Diskussion zurückkehren

Der verbale Schlagabtausch öffentlich ausgetragen auf dem Rücken der Familien in Königswinter muss beendet werden. Schuldzuweisungen öffentlich adressiert und der Druck auf die IGS-Schulleitung helfen nicht weiter. Hier hätte die Ratssitzung einen guten Anlass gegeben. Nach einer weitestgehend fairen Auseinandersetzung und dem Ringen um Argumente ist aber zu befürchte, dass dies eben nicht eintritt. Und die Stadtspitze mit Bürgermeister Wirtz? Abgetaucht und in Fragen der rechtlichen Zulässigkeit der Einmischung in innere Schulangelegenheiten nibulös bis sturr geblieben.

 

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